Sparefroh Haus


Sammlung Weltspartagsgeschenke (Steinkellner)

Renate Steinkellner mit Sparefroh Figur (Sparefroh Haus / Museum)
Renate Steinkellner mit Sparefroh Figur

Sammlung Weltspartagsgeschenke - World Savings Day Gift Collection – Collection des cadeauxs de journée mondiale de l'épargne

 

Die Idee zum Sparefroh Haus stammt von Renate Steinkellner, die 35 Jahren Bankangestellte war. Aus ihrer Verbundenheit mit dem Berufsleben resultierte sehr rasch eine spezielle Sammelleidenschaft: Seit 1977 bewahrt Renate Steinkellner lückenlos alle Weltspartagsgeschenke der Zentralsparkasse sowie der Nachfolgebanken, in denen sie tätig war, auf.

 

Im Lauf der Zeit bemühte sie sich engagiert, auch jene Weltspartagsgeschenke zu bekommen, die bereits vor ihrem Dienstantritt von der Zentralsparkasse ausgegeben worden waren. Bei der von Renate Steinkellner gestalteten Ausstellung wird nun ein Sammlungsbestand präsentiert, der bis 1957 zurückreicht.

 

Anhand der Objekte kann auch Designergeschichte von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart nachvollzogen werden, denn nicht wenige Präsente wurden wegen ihrer großen Beliebtheit immer wieder neu aufgelegt. Zu diesen Schätzen gehören lustige, nützliche, aber auch überflüssige Dinge des täglichen Lebens.

 

Im Oktober 2006 wurde die „Sammlung Steinkellner“, welche damals Weltspartagsgeschenke der letzten 30 Jahre umfasste, im Bezirksmuseum Alsergrund präsentiert. Dieser Ausstellung war großer Erfolg beschieden. Nach Ausstellungen im Bezirksmuseum Mariahilf (2007), Bezirksmuseum Josefstadt (2008) und im Österreichischen Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum (2010/2011) hat sich Renate Steinkellner entschlossen, ihre Sammlung als Dauerausstellung im Bezirksmuseum Alsergrund zu präsentieren.

 

Zu sehen ist in der Ausstellung auch der legendäre „Sparefroh“, der es in den 1960er Jahren zu Kultstatus gebracht und nicht unwesentlich zum Spargedanken beigetragen hatte. Weiters sind Spardosen von allen 5 Instituten (Zentralsparkasse, Länderbank, Credit-Anstalt, Bank Austria, Bank Austria-Unicredit-Group) sowie historische Sparbücher zu bewundern. Der Spaziergang durch das “Sparefroh-Haus“ (vulgo Sparefrohmuseum) wird sicher Kindheitserinnerungen wachrufen.

 

 

 

mb


Die Geschichte des Weltspartages

 

ANFÄNGE

Die Sparkasse in Mailand, die Cassa die Risparmio di Milano, wurde 1824 als Cassa di Risparmio delle province Lombarde gegründet, als die Lombardei nach den Napoleonischen Kriegen bis 1859 eine Provinz der österreichischen Provinz war. Im Oktober 1924 feierte sie ihren 100. Gründungstag und gehörte damals wie im restlichen 20. Jahrhundert zu den größten Sparkassen der Welt. Zu diesem Anlass lud de Sparkasse Vertreter der Sparkassenorganisationen aller Kontinente zum ersten internationalen Sparkassenkongress nach Mailand. Der österreichische Vertreter war der damalige Verbandanwalt des Reichsverbandes der Sparkassen, Dr. Walther Schmidt. Walther Schmidt war gemeinsam mit dem Werbeleiter der Mailänder Sparkasse, Filippo Ravizza, auch entscheidend an dem Beschluss beteiligt einen Weltspartag ins Leben zu rufen.

 

ZIELE DES WELTSPARTAGS

Bestimmt wurde dann der 31. Oktober, der letzte Tag dieses Kongresses. Der offizielle Beschluss lautete damals: "Die Tätigkeit der Sparkassen der ganzen Welt hat als gemeinsames Ideal erzieherischen Charakter. Das Ideal der Sparsamkeit darf aber nicht als Opfer betrachtet werden, sondern als eine allen auferlegte Selbstbeschränkung, den besten persönlichen und sozialen Gebrauch ihres Eigentums zu machen. Die Sparkassen sollen vor allem in der Schule ihre notwendigen Verbündeten finden. Es ist unerlässlich, dass die Sparinstitute auf die Unterstützung der Behörden zählen können. Vom Kongress wurde der Wunsch ausgesprochen, dass der letzte Tag im Oktober als Spartag erklärt wird."

 

1924 war das Jahr nach den großen Währungsreformen in  vielen europäischen Ländern, die wegen der Hyperinflation der ersten 1920er Jahre notwendig waren. Diese Inflation hatte vielen Menschen ihre Ersparnisse gekostet und das europäische Sparklima zerstört. 

 

ERSTER WELTSPARTAG IN ÖSTERREICH 

Der erste Weltspartag, den fast alle Sparkassen in Österreich am 31 Oktober 1925 feierten, wurde werbemäßig hervorragend vorbereitet. Es gab Statements des damaligen Bundespräsidenten Dr. Hainisch, des Bundeskanzlers und vieler anderer Persönlichkeiten aus der Wirtschaftspolitik der 1. Republik. 

 

Der Weltspartag war mitentscheidend, dass die Spareinlagen in den österreichischen Sparkassen zwischen 1925 und 1930 verdreifachten. Die Wirtschaftskrise brache in der Folge einen weiteren Dämpfer für den Spargedanken, doch stellte der Reichsverband wiederholt fest, dass der Weltspartag kein Propagandatag der Sparkassen sein sollte, sondern eine Feier des Spargedankens. 

 

WELTSPARTAG WIRD DEUTSCHER SPARTAG

In den Jahren wischen 1938 und 1944 vervielfachten sich die Spareinlagen. Eine schwierige Aufgabe der Nachkriegszeit war es, diese Kaufkraft abzuschöpfen und die Geldmenge in einem vernünftigen Verhältnis zur Gütermenge zu setzen. Dies wurde 1945 und 1947 durch zwei Gesetze durchgeführt, die die Spareinlagen der ÖsterreicherInnen weitgehend vernichteten und die Spargesinnung vollkommen zerstörten. Erst in den ersten 1950er Jahren fasste man wieder etwas Vertrauen in die Währung.

 

WELTSPARTAG NACH DEM II. WELTKRIEG

Es war ein großes Wagnis, als die Sparkassen 1952 den Weltspartag reaktivierten. Hauptverantwortlich dafür war Dr. Walter Sadleder von der Allgemeinen Sparkasse in Linz. Er setzte sich 1952 beim ersten österreichischen Sparkassentag nach Kriegsende mit der Resolution für die Wiedereinführung dieses Weltspartages gegen viele Zweifler durch, die den Zeitpunkt noch als verfrüht sahen. 1957 wurde er Generalsekretär des Sparkassenverbandes und in der Folge „der“ Betreiber der Weltspartagsidee in Österreich.

 

1952 wurde der Weltspartag nur in einigen Sparkassen gefeiert. Mit dem Staatsvertrag begann zweifellos auch eine lange Zeitspanne des Optimismus in de österreichische Währung und Wirtschaft. 1955 wurde der Weltspartag um eine Jugendsparwoche ergänzt, die den Höhepunkt der damaligen Bestrebungen der Sparkassen für die Spar- und Wirtschaftserziehung der Jugend bedeutete. 

 

POLITIK UND WELTSPARTAG

Die Schwerpunkte des Weltspartages wurden den gesellschaftspolitischen Entwicklungen angepasst. So wurde ein Schwerpunkt vieler Weltspartage die bessere Planung des Haushaltsbudgets, was 1959 mit dem Slogan „Gut haushalten heißt sparen“ eingeleitet wurde. Damit wollte man die Hausfrauen zur Führung von Haushaltsbüchern motivieren.

 

HOCHBETRIEB IM BANKHAUS

Der Weltspartag war  ein lange vorbereiteter Festtag! Die Geschenke wurden bereits im Mai beim Sparkassenverband oder bei lokalen Firmen bestellt und durften nicht mehr als damals 10 Schilling (bzw. heute 70 EuroCent) kosten. Dienstbeginn war am Weltspartag um 7 Uhr. Die MitarbeiterInnen waren festlich gekleidet und der Kundenandrang war jedes Jahr enorm. Die Geschenke hatten in den 60er und 70er Jahren einen sehr hohen Stellenwert.

 

Nach 1974 wurde die Internationalität des Weltspartages in Österreich wieder stärker betont. Die UNO erklärte 1989 den 31. Oktober offiziell zum Weltspartag. Für die meisten Sparkassen- bzw. Bank-Mitarbeiter war und ist der Weltspartag der stressigste Tag des Jahres. An diesem Tag kamen und kommen noch immer viele Prominente und Kunden in die Kassenhallen.  Die SparerInnen erwarten sich beim Weltspartag von den Geldinstituten noch immer ein kleines Geschenk und eine kleine Jause. 

 

WELTSPARTAG HEUTE

 

Der ursprüngliche Zweck des Weltspartages, den die Sparkassen vor fast 90 Jahren im Auge hatten, ist leider weitgehend in Vergessenheit geraten. Die Geldinstitute wollten nämlich einen Besinnungstag über den sparsamen Umgang mit allen Ressourcen, unter anderem auch mit Geld ins Leben rufen.

Text: Renate Steinkellner. Mit freundlicher Unterstützung von Herrn Professor Mag. Alfred Paleczny