Geschichte des Bezirksmuseums

EINE ERFOLGSGESCHICHTE DER EHRENAMTLICHKEIT

Der Goldene Pelikan ist ein Híghlight der Schausammlung des Bezirksmuseums Alsergrund
Der langjährige Museumsleiter Ing. Alfred Wolf bei der Bergung des Goldenen Pelikans

Die "Vorgeschichte" des Bezirksmuseums Alsergrund - jetzt ein Teil des ALSEUMS - reicht mehr als ein Jahrhundert zurück. 1903 erschien das erste Heimatbuch "Der Alsergrund einst und jetzt", vom Lehrer Leopold Donatin als "geographisch-historischer Anschauungsunterricht" für die Kinder der dritten Volksschulklasse. In den 1920er Jahren sollte es neu aufgelegt und zugleich ein Museum eingerichtet werden. Dieser Wunsch des Bezirksvorstehers Josef Schober kam aber ebenso wenig zur Ausführung wie das Projekt unter seinem Nachfolger Fritz Erban. Damals plante eine, 1935 aus dem Arbeiter-Bildungsverein Alsergrund hervorgegangene, Arbeitsgemeinschaft ein "Bezirks-Heimatmuseum".

 

1957 konstituierte sich unter Bezirksvorsteher Johann Rajnoha ein Museumsverein, als dessen Präsident er fungierte. Die Erstaufstellung des Museums in zwei Räumen im Haus der Bezirksvorstehung erfolgte 1959. Museumsleiter wurde der Berufsschullehrer Franz Zabusch (bis 1968), Kustoden Volksschul-Oberlehrer i. P. Hans Mück (bis 1967) und der Buchdruckereibesitzer Ing. Alfred Wolf. Auf seine Initiative und unter seiner Redaktion erschien 1960 das erste von 129 vierteljährlich herausgegebenen Mitteilungsheften "Das Heimatmuseum Alsergrund". Zwischen 1966 und 1970 gab er alljährlich eine umfangreiche Publikation zu den Sonderausstellungen heraus.

 

1968 übernahm Obermuseumsrat Dr. Ernst Donatin die Leitung. 1970 gründete Ing. Alfred Wolf die "Galerie Alsergrund". Als erste ihrer Art gab sie Kunstschaffenden aus dem Bezirk unentgeltliche Ausstellungsmöglichkeiten. 1972 entstand auf Initiative Dr. Ernst Donatins die Gedenkstätte für Heimito von Doderer (mit Teilen seiner Wohnungseinrichtung) 1973 wurde aus dem "Heimatmuseum" ein Bezirksmuseum. Im selben Jahr wurde Ing. Alfred Wolf zum Museumsleiter bestellt (bis 1991), sowie Dkfm. Philipp Jakob Formann und Helga Maria Wolf zu Kustoden.

Dr. Wilhelm Urbanek moderierte die Eröffnung der neuen Schausammlung des Bezirksmuseums Alsergrund (ALSEUM)
Dr. Wilhelm Urbanek bei der Eröffnung der neuen Schausammlung des Bezirksmuseums Alsergrund

Seit 1991 leitet der Gymnasialprofessor Dr. Wilhelm Urbanek das Bezirksmuseum Alsergrund. In seine Ära fallen 1995 die Einrichtung der Gedenkstätte für Erich Fried (mit Möbeln aus seinem Arbeitszimmer, die Nutzung des Bunkers im angrenzenden Arne Karlsson-Park, 2011 die Einrichtung des Religionsraums (Kurator Mag. Dietmar Hübsch) und die Einrichtung des Sparefroh Hauses im Hofpavillon (Kuratorin Renate Steinkellner). 2015 wurde das  Befreiungsmuseum im Erinnerungsbunker eröffnet.

 

2015 entwickelte der Kunsthistoriker Mag. Matthias Bechtle ein neues Konzept. Die verschiedenen Teilbereiche sind nun unter dem Oberbegriff ALSEUM zusammengefasst. Gemeinsam mit der Ethnologin Dr. Helga Maria Wolf und der künstlerisch tätigen Pädagogin Doris Wolf gestaltete er die Schausammlung des Bezirksmuseums Alsergrund in renovierten Räumen völlig neu. Die Grundaufstellung umfasst zwei Säle, die Architektur-Sammlung mit originalen Hauszeichen, Modellen und Plänen. In 12 Kapiteln werden Arbeit und Freizeit, mit Schwerpunkt 19. Jahrhundert vorgestellt. Es beginnt mit dem Thema Wohnen - vom Vorstadthaus zum Gemeindebau - und einem kleinen Einblick in die Kinderwelt von anno dazumal. Die zweite Vitrine widmet sich dem Alltag: Einkaufen, Küchengeräte und Hygiene. Diese bildet den Übergang zum nächsten Schwerpunkt. In der Gegend um den Sobieskiplatz waren die legendären "Wiener Wäschermädel" zu Hause. Ihnen sollte ein Denkmal gesetzt werden, dessen Abguss hier zu sehen ist. Die folgenden Vitrinen erinnern an verschwundenes Handwerk. Der Alsergrund war ein Zentrum der "Schwarzen Kunst", der Buchdruckereien, woran u. a. eine Tiegeldruckpresse und ein Setzkasten erinnern. In der Rossau befanden sich die Firmen der Sattler, Wagenbauer und später Automobilerzeuger, wie die Hoflieferanten Sebastian Armbruster und Ludwig Lohner. Einer der letzten Lohnerroller "L 150" ist ebenfalls zu sehen. Die Oesterreichische Nationalbank ist wohl der berühmteste "Großbetrieb" des Bezirks. Nicht mehr hier ansässig ist die Porzellanmanufaktur - vertreten durch einen bemalten Barockteller - in der bekannte Künstler wirkten. Um Kunst und Komponisten geht es auch in der folgenden Vitrine. Sie würdigt die "großen Vier" der Wiener Klassik, und zeigt einige Werke des Alsergrunder Malers und Bildhauers Ernst Eisenmayer. Der leichten Muse und Unterhaltung widmet sich die nächste Abteilung, mit Exponaten aus der Volksoper und den einst zahlreichen Vergnügungslokalen. Einen Blickfang bilden einige Fahnen und eine Fähnrichs-Uniform des Rossauer Männergesangvereins. An der Stirnwand beinhalten Kommoden weitere Kunstwerke und Objekte zum Thema "Medizin und Forschung", Stichworte: Josephinum, AKH und Chemische Institute. Die vorletzte Vitrine ist "Katastrophen" übertitelt und gemahnt auch an die ehemalige Hinrichtungsstätte "Rabenstein". Mit dem Thema "Verkehr" - vom Zeiselwagen bis zur Franz-Josefs-Bahn - endet der Rundgang.

 

Die neue Marke ALSEUM umfasst neben der Dauerausstellung einen Sonderausstellungsraum, Gedenkstätten für die Dichter Heimito von Doderer (1896-1966) und Erich Fried (1921-1988), eine umfangreiche Bibliothek, sowie das "Sparefroh Haus" und den "Erinnerungsbunker" (Befreiungsmuseum Wien).

 

hmw 2017